Montag, 24. Juni 2013

USA 5 - Zion–Jackson Hole (Teton NP)

Mittwoch, 19.6.: Wir stehen brav um 7 Uhr auf, frühstücken auf dem Balkon und können so ca. um ½ 9 Uhr beim Visitor Center in den Shuttle Bus steigen. Die Fahrt durch den NP ist nur so möglich. Die Blicke sind schön, aber wir fahren gleich bis zur Endstation. Von hier geht man auf betoniertem Weg etwa 2km in die Schlucht hinein, es ist angenehm kühl und schattig. Der Virgin River und die roten Felsen sind im Vormittagslicht sehr hübsch. Anschließend kann man noch stundenlang im Bach weiter durch die Narrows wandern. Wir gehen ein gutes Stück, das Wasser ist durchaus angenehm, meist weniger als knietief, nur einige Stellen reichen über die Knie, und ca. 15° warm. Es gibt auch hier ein paar Fotomotive, aber die Schlucht ist doch eher einheitlich, sodass wir nach einiger Zeit umdrehen. Das Ganze macht schon irgendwie Spaß, allerdings ist es echt kollektives Bacherlwaten, es sind Menschenmassen hier unterwegs, auf dem Rückweg noch einmal so viele wie beim Hingehen! Gut, dass wir relativ früh dran waren. 20130619_CHR681220130619_CHR683720130619_CHR685820130619_CHR6876
Anschließend machen wir noch eine entspannte Runde durch Springdale, der Ort besteht aus guten Sportgeschäften, Galerien, Restaurants und Hotels, eignet sich also zum Bummeln. Für den Lunch landen wir wieder bei einem Mexikaner, das Essen ist ziemlich authentisch und ausgezeichnet, überraschend günstig außerdem. Nach einem Kaffee in einem schattigen Gastgarten – sehr unamerikanisch ruhig vor einer Tasse guten Capuccinos zu sitzen, anstatt mit einem Plastikbecher voll dünnem Gesöff herumzulaufen – fahren wir weiter.
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Wir suchen und finden die winzige ehemalige Mormonensiedlung Grafton, die landschaftlich schön liegt.
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Am Nachmittag kommen wir dann nach Hurricane. Das Super 8 Motel ist zwar nicht schön gelegen, dafür bietet es alles, was man braucht, um den halben Preis des letzten Hotels. Wir können uns also noch einmal ausruhen, planen und unseren Blog fertig machen.
Donnerstag, 20.6.: Wir stehen brav kurz nach 6 Uhr auf. Überraschenderweise drängen sich die Leute um ½ 7 Uhr beim Frühstücksraum, der allerdings winzig ist. Wir sind nun dazu übergegangen, unser eigenes Campinggeschirr zu verwenden, um nicht dauernd das Wegwerfgeschirr zu haben, wie es hier praktisch bei allen Hotelketten, auch denen wo ein Zimmer 100.-$ aufwärts kostet, üblich zu sein scheint. Danach fahren wir zu den Yant Flats, die Wegbeschreibung, die wir haben, ist zum Glück exakt, das GPS hilft zusätzlich. Die Schotterstraße, ca. 15km, ist im Wesentlichen gut. Danach müssen wir noch ca. 2 km gehen, zum Glück großteils auf einem alten Fahrweg, erst die letzten 500m querfeldein. Hier ist der Boden sandig und es wachsen vor allem stachelige Pflanzen. Auch sollte man nicht nur wegen den Stacheln auf den Weg achten, denn Wüstengebiet ist auch Schlangengebiet und eine Klapperschlange gehört nicht unbedingt zu unserem dringlichsten Fotowunsch. Danach kommen wir zu einer Kante, dort gibt es ein Plateau mit faszinierend geformten Sandsteinfelsen, einige sind wunderbar rot und weiß gestreift, die Idee, sie als „Candy Cliffs“ zu bezeichnen, passt, wie im Tipp von den Fotografen Synnatschke, von deren Homepage wir ja die Beschreibung haben.
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Die Tageszeit passt eigentlich gut vom Licht her, aber das ewige Schönwetter ist ein bisschen langweilig, ein paar Wolken würden schon besser aussehen. Toll müsste es hier nach einem Regenguss sein, aber da kann man derzeit wohl lange warten. Trotzdem macht es Spaß hier zu fotografieren, es ist noch nicht zu heiß. Vor dem Rückweg stärken wir uns noch mit einem Apfel, nun ist es wärmer, aber es geht nicht allzu viel bergauf.
Kurz nach Mittag sind wir zurück in Hurricane. Nun machen wir alle nötigen Erledigungen, etwa einen größeren Einkauf, ein einfaches Mittagessen, wieder bei einem Mexikaner, etwas schlicht, aber doch in Ordnung und billig genug. Danach wasche ich in der Gästewäscherei die Wäsche, allerdings ist dort das Waschmittel aus, sodass ich erst eines kaufen muss – ich erwerbe natürlich das billigste, aber nun habe ich eine ganze Flasche voll… - dafür haben wir wieder halbwegs saubere Wäsche (besonders gut sind die Waschmaschinen hier nämlich nicht, aber schnell). Damit und mit einiger Arbeit am Computer und ein bisschen Faulenzen vergeht auch dieser Nachmittag recht schnell.

Freitag, 21.6.: Wir können uns ausschlafen, einpacken, dann fahren wir los in Richtung Westen. Gleich nach St. George kommen wir zum Snow Canyon State Park, dem wir einen kurzen Besuch abstatten. Zum bunten Sandstein kommen hier noch schwarze Lavabrocken, was einen guten Kontrast abgibt. Es ist nur ein kleines Gebiet, aber mit guter Infrastruktur (es gäbe einen recht schönen Campingplatz) und durchaus den Stopp wert. Und es ist wenig los!
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Felsstrukturen sind schon faszinierend, aber nach 4 Wochen reicht es jetzt langsam!


Die weitere Strecke führt durch Hügellandschaft. Im nächsten Ort (Enterprise) schlage ich eine Abkürzung vor, die laut Karte logisch erscheint, das GPS akzeptiert sie auch – Chris hat nämlich ein richtiges GPS-APP fürs Handy gefunden (1€ incl. USA-Karte). Allerdings ist dann mehr als die Hälfte der Strecke Schotter, es geht sehr lange und völlig einsam durch den National Forest (weiteres Wacholder-Hügelland), aber es ist die richtige Straße. Zu Mittag sind wir in Panaca, wir überlegen den Cathedral Gorge State Park, haben aber dann irgendwie keine Lust mehr auf weitere Felsstrukturen, deshalb machen wir nur unser Mittagspicknick – immerhin auf grünem Gras!
Danach kommt eine lange Fahrt auf nahezu schnurgerader Straße, rechts und links ein paar Berge, die sehr unauffällig sind, obwohl sie zwischen 3000 und 4000m hoch sind – die Gegend hier gehört sicher zu den langweiligsten Strecken im Westen (Great Basin Wüste in Nevada). Schließlich erreichen wir eine Straßenkreuzung, wo wir uns in einem urigen Roadhouse (typisch Outback) einen guten Kaffee holen.

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Von dort ist es dann gar nicht mehr weit zum Great Basin NP. Hier ist es endlich einmal bei sonnigem Wetter angenehm warm, aber nicht heiß. Wir bekommen auch problemlos einen schönen Campingplatz am Bach, das Zelt steht schattig unter Bäumen, wir lassen den Tag gemütlich ausklingen – mit gegrilltem Steak, Bier und Lagerfeuer. Außerdem hören wir uns den Ranger-Talk an, der Ranger ist zwar kein begabter Redner, aber uninteressant sind seine Ausführungen auch nicht.
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In der Nacht wird es richtig kühl (wir sind deutlich über 2000m), man kann hier durchaus schon die Schiunterwäsche zum Schlafen auspacken.

Samstag, 22.6.: Wir schlafen sehr gut aus, selbst am Vormittag ist es beim Frühstück noch kühl. Dann schauen wir zu den Lehman Caves, wo wir für 12 Uhr eine Führung bekommen. Bis dahin beschäftigen wir uns mit einem Naturlehrpfad und setzen uns ins Café zu Kaffee und Computer. Hier ist es richtig gemütlich, auch viel billiger als in Utah.
Die Höhle erweist sich als absolut sehenswert, es gibt wirklich sehr viele und große Tropfsteine der verschiedensten Formen. Auch ist die Führung sehr langsam, man hat viel Zeit zum Schauen und auch Fotografieren (nur ohne Stativ erlaubt, also nur Schnappschüsse). Die Tour zahlt sich wirklich aus!

20130622_CHR7051Die 1.Lodge bei den Lehmann Caves
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Am Campingplatz essen wir dann einmal zu Mittag (Spaghetti). Am späten Nachmittag fahren wir hinauf zum Mt. Wheeler Parkplatz, auf über 3000m Seehöhe. Es ist sonnig und angenehm mild. Von hier wandern wir zu den Bristlecone Pines. Das sind die ältesten Lebewesen dieser Welt, Bäume, die hier zum Teil 3000 Jahre oder sogar noch älter sind und noch leben. Der älteste lebende Bristlecone Baum in einem anderen Waldgebiet bei den White Mountains wird “Methusalem” genannt und soll an die 4500 Jahre alt sein. Aber selbst die, die schon vor mehr als tausend Jahren abgestorben sind, stehen immer noch. Ihr Holz vermodert nicht, sondern erodiert. Es ist äußerst faszinierend, sie anzusehen und Fotomöglichkeiten zu finden. Sie wachsen auf Geröllhalden an der Waldgrenze, also etwa auf 3500m Seehöhe. Mittels eines Weges sind sie gut zugänglich, wir wandern natürlich auch noch im Geröll herum, um schöne Exemplare zu finden.
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Etwa eine ½ Std. vor Sonnenuntergang verschwindet die Sonne hinter dem Bergrücken und wir können zurückgehen, sodass wir noch in der Dämmerung zum Auto kommen. Bei prächtigem Vollmond fahren wir wieder hinunter zum Campingplatz. Jetzt ist natürlich noch ein Lagerfeuer fällig, sonst wäre es bei einer kleinen Jause eigentlich auch zu kalt.
Insgesamt hat uns der Umweg hierher außerordentlich gut gefallen!
Sonntag, 23.6.: Heute steht ein Fahrtag auf dem Programm. Die ersten 150 km sind tatsächlich äußerst langweilig durch die Ebene des Great Basin. In Nephi, vor der Autobahn, essen wir in einem Park unsere Melone. Danach geht es an den großen Mormonenstädten wie Provo vorbei und hinauf in die Berge. Auf den Picknickplätzen entlang der Straße und am Fluss ist überall viel los, obwohl das Wetter heute nicht besonders schön ist. In Heber City finden wir dann noch Gelegenheit für eine Kaffeepause in einem alten Roadhouse. Die Sprüche an den Wänden sind teilweise lustig, aber meist eher skurril.
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“Graded” heißt übrigens “bewertet”
Das letzte Streckenstück ist ebenfalls eher langweilig, schließlich kommen wir am späten Nachmittag müde nach Evanston, wir sind froh, hier ein einfaches, aber gutes Motel gebucht zu haben. Nach zwei Tagen im Zelt freut man sich immer schon auf die Badewanne. Neben dem Motel gibt es ein Lokal, das zwar aussieht wie eine Tankstelle, wo wir aber sehr gute und günstige Steaks mit passenden Beilagen zu essen kriegen. Grundsätzlich kann man ja immer sagen, je hässlicher der Ort, desto besser das Preis-Leistungs-Verhältnis; für Zwischenstopps allerdings kein Nachteil. Wir beschäftigen uns noch mit der Planung für die nächsten Tage und buchen schließlich doch in Jackson ein Quartier, weil das Wetter für den Teton NP eher wechselhaft und kühl klingt, und danach folgen dann ja wieder einige Zeltnächte!
Montag, 24.6.: Das Motel war wirklich ok, das Frühstücksangebot ist natürlich bescheiden, aber es gibt sättigende Bagels. Danach liegen wieder etwas mehr als 300km Fahrtstrecke vor uns. Die meiste Zeit geht es durch die grünen Hügel und Kuhweiden von Wyoming, auch nicht sehr abwechslungsreich, aber immerhin keine Wüste. Einen Zwischenstopp legen wir in Afton ein, einem kleinen Ort im Cowboy-Look, wo es überraschenderweise ein Kaffeehaus mit Schokoladeherstellung (gute Trüffel) gibt.
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der Welt größte Wapitigeweihbogen!
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Danach geht es am Snake-River entlang, durch einige Baustellen dauert es doch bis 3 Uhr, bis wir in Jackson ankommen. Die Lodge liegt ruhig und doch in Zentrumsnähe, das Zimmer im Blockhausstil ist wirklich sehr schön, auch sonst gibt es alles, wir sind froh, dass wir dieses Quartier gewählt haben, für diesen Ort hat es ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Jackson ist sozusagen das Kitzbühl des Westens, hier gibt es Schigebiete und alle Arten von Sommersport, der Teton NP ist quasi vor der Haustür und auch der Yellowstone NP ist recht nahe. Die Motels sind deutlich teurer, dafür gibt es ein gewaltiges Restaurantangebot – von österreichischer bis japanischer Küche ist sicher alles dabei. Für`s Österreichische ist übrigens Peter Stiegler verantwortlich, der Bruder von Pepi Stiegler, der hier das Schifahren erst populär gemacht hat. Und Resi Stiegler, seine Tochter, ist hier in Jackson Hole geboren und aufgewachsen.
Wir wählen für einen späten Lunch aber ein amerikanisches Angebot, nicht schlecht und auch nicht teuer. Danach relaxen wir, draußen ist es sehr bewölkt mit Regenschauern, ganz gut, nicht zelten zu müssen!









Mittwoch, 19. Juni 2013

USA 4 – Paria Wilderness – Zion NP

Samstag, 15.6.: Wir sind bald auf, so gemütlich ist der Platz auch nicht. Als erstes fahren wir zur benachbarten Rangerstation, um uns über die Umgebung zu erkundigen. Wir würden ja gerne etwas in der Paria Wilderness machen, aber es sollte keine Extremwanderung werden. Das Wetter ist noch angenehm kühl mit einigen Wolken. Zu unserer Freude erfahren wir, dass es möglich ist, für die South Coyote Buttes noch ein Permit zu bekommen – es wird telefonisch geklärt und dann gleich ausgestellt. Damit habe ich nicht gerechnet, das war schon auf der Wunschliste. Wir werden nur darauf hingewiesen, dass man für die Zufahrt einen Geländewagen braucht, aber der Fußweg wäre auch zu schaffen. So fahren wir also auf der House Rock Rd. los, die ist auch gut bewältigbar und nur stellenweise rau. Nach einer ¾ Std. sind wir bei der Abzweigung zum Paw Hole. Natürlich schauen wir, wie weit wir mit unserem Wagen kommen. Das erste Stück ist flach, aber sandig, kein Problem, dann kommen schon ein paar Passagen mit tieferem Sand bergauf, die packt Chris auch noch, doch an der Schlüsselstelle streikt der Motor – tiefer Sand, ziemlich steil, einige tiefe Gruben. Das ist doch nichts für so einen SUV. Zurückschieben geht aber zum Glück und gleich vor dieser Stelle können wir auch parken, sodass sich der Zustiegsweg immerhin halbiert. Bis zu den Felsen gehen wir so noch etwa 1,5 km leicht bergauf. Das klingt bescheiden, aber wenn man durch tiefen Sand marschiert, ist es doch ziemlich anstrengend. Zum Glück ist es immer noch eher bewölkt, leicht windig und für die Gegend kühl, sodass wir ganz gut vorankommen. Knapp eine ½ Std. später stehen wir vor den ersten Felsen, sie sind rot und mit hübschen Strukturen, aber noch nicht wirklich spektakulär, nun gehen wir in diesem Gebiet weiter, meist bergauf, meist durch Sand. Die Farben und Strukturen werden immer schöner, die Formen sind wild verdreht, es gibt schöne wellenförmige und bunte Bereiche. Zunächst ist es stärker bewölkt, dann wird es sonniger. Der Schlusspunkt unserer Erkundung ist am schönsten, deshalb drehen wir dort auch um, ein sinnvoller Weiterweg zeichnet sich nicht ab und die 2 Liter Wasser, die wir diesmal mithaben, haben wir auch schon fast ausgetrunken. Obwohl der Rückweg überwiegend bergab geht, kommt er uns viel länger vor, da es nun wieder recht heiß ist. Ziemlich fertig, aber von der Landschaft begeistert kommen wir beim Auto an. Da dort sogar ein bisschen Schatten ist, jausnen wir gleich.
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Die Heckscheibe könnte auch einmal ein wenig Wasser vertragen
Danach folgt eine längere Fahrstrecke in Richtung Grand Canyon. Bei einer Straßenkreuzung (Jacob´s Lake Inn) stärken wir uns mit schwachem Kaffee und ausgezeichneten Cookies. Am Nachmittag kommen wir dann am Grand Canyon North Rim an, und stellen das Zelt auf, die Temperaturen sind hier heroben (2800m) angenehm. Zum Glück haben wir den letzten Platz hier per Reservierung ergattert, alle anderen Übernachtungsmöglichkeiten sind doch recht weit außerhalb. Anschließend gönnen wir uns eine Dusche und ein bisschen Arbeit am Computer (Bilder speichern). Gegen 7 Uhr Abend machen wir uns auf zum Scenic Drive, der hier äußerst weitläufig ist (eine Richtung gut 40km). Obwohl das Wetter untertags wechselhaft (sogar mit ein paar Regentropfen) war, ist das Abendlicht nicht besonders, es sind kaum mehr Wolken, die Sonne ist eher schwach und die Fernsicht, vermutlich durch Sand, nicht besonders. Zum Schauen sind die Blicke vom Pt. Imperial und Cape Royal aber grandios. Es war es sicher wert, hierher zu fahren. Noch bevor die Sonne ganz unten ist, fahren wir zurück. Dann gibt es wieder ein relativ spätes Abendessen, aber dafür gut (Steak mit Kartoffelpüree, Erbsen und Karotten – alles möglich mit Grillstelle und einem Trangia-Kocher). Wieder fallen wir sehr erschöpft ins Zelt.
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Sonntag, 16.6.: Ich wache kurz vor meinem Wecker um ¾ 6 Uhr auf, also mache ich mich auf zum Sonnenaufgang. Da mir der Weg zum Aussichtspunkt zu Fuß dann doch zu weit ist – über 2km in eine Richtung, bleibe ich auf einem Aussichtsfelsen beim Campingplatz. Dort ist es auch sehr stimmungsvoll und ich bin ganz alleine. Der Sonnenaufgang fällt allerdings auch blass aus, die Wetterlage hat sich ja nicht verändert. Ein schönes Erlebnis ist es natürlich trotzdem.
Ein bisschen Schlaf danach ist auch noch drinnen, bevor wir frühstücken und einpacken. Danach fahren wir zur Lodge vor und gehen zum Bright Angel´s Aussichtspunkt, auch ein Stück bergauf und bergab. Hier ist die Aussicht am Vormittag wirklich ausgezeichnet, sehr lohnend!

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Am späten Vormittag machen wir uns dann auf die Rückfahrt. Da eine wichtige Verbindungsstraße gesperrt ist (zum Glück haben wir das gestern erfahren), machen wir den gleichen Weg retour. An der House Rock Rd. legen wir noch Fotostopps und ein Picknick ein. Dann halten wir bei der Paria Rangerstation und geben die Schaufel zurück, die wir uns ausgeborgt, aber glücklicherweise nicht gebraucht haben, und bedanken uns mit zwei guten Cookies. Die Ranger dort sind wirklich ungewöhnlich hilfsbereit.
Anschließend machen wir eine Kurzwanderung zu den „Toadstools“, ganz stark ausgeprägten Hoodoos, wie der Name schon sagt, sind es richtige „Steinschwammerl“. Sie stehen in einer fantastisch-bunten Landschaft, der kurze Weg – ca. 1 km in eine Richtung – ist trotz der nun wieder herrschenden Hitze (ca. 33° im nicht vorhandenen Schatten) erträglich, weil einfach und lohnend.

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Danach ist es nicht mehr allzu weit nach Page. Wir stoppen kurz beim Staudamm am Glen Canyon, der den schon deutlich zurück gegangenen, aber trotzdem riesigen Lake Powell aufstaut. Bald darauf finden wir unser Hotel, vorher wäscht Christian noch das Auto, denn man konnte sich dem Kofferraum nur noch in schmutzigem Gewand nähern, so voll rotem Sand war schon alles. Das Hotel (Comfort Inn) ist ein eher unpersönlicher Kasten, aber sehr gut eingerichtet mit einem riesigen Zimmer. Wir gönnen uns Erholung in der Badewanne und erledigen sonstige wichtige Handgriffe.
Zum Abendessen gehen wir in ein vom Tripadvisor empfohlenes mexikanisches Restaurant. Das Bier ist leider teurer als beim letzten Mexikaner, dafür ist das Essen sehr gut und reichlich. Satt und müde sind wir wieder zurück – morgen sollten wir aber nicht allzu spät zum Antelope Canyon kommen.

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Montag, 17.6.: Wir halten unseren Zeitplan ein. Das Frühstücksangebot im Hotel ist recht ordentlich, wenn man davon absieht, dass wieder einmal alles einzeln verpackt ist und es nur Wegwerfgeschirr aus Styropor gibt. Kurz nach 9 Uhr sind wir beim Antelope Canyon – wir buchen zuerst eine Tour für den Upper Antelope für zu Mittag (Prime Time, deshalb 40$ pro Person), und fahren dann zum nahen Lower Antelope. Hier kann man sich mit einer Fotogenehmigung (dafür 36$ statt 20$ Eintritt) zwei Stunden lang frei bewegen. Das zahlt sich unbedingt aus, der Canyon ist wirklich wunderschön, sehr eng, mit herrlichen Windungen, Strukturen und traumhaften Farben!! Sogar ein paar Beams gibt es. Das Fotografieren geht meist ganz gut, stellenweise ist es schon stressig, weil natürlich auch immer wieder Gruppen durchgehen, aber es ist noch zum Aushalten. Uns gefällt der Canyon sehr gut, und die Fotos sind genial.
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Eines der größten Naturwunder der USA würde man kaum in dieser Umgebung vermuten (im Hintergrund ein Kohlekraftwerk)
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Danach sind wir pünktlich beim Upper Antelope Canyon. Hier fährt man zunächst auf Pickups ¼ Std. zum Eingang, Gelegenheit, mit anderen Touristen zu plaudern. Dann geht man in relativ kleinen Gruppen durch, aber es sind so viele Leute, dass praktisch eine Gruppe an die nächste anschließt. Unser Guide ist trotzdem bemüht, sie gibt uns immer wieder Gelegenheit zum Fotografieren. Trotzdem hat man hier doch deutlich weniger Zeit, der Canyon ist auch viel kürzer, dafür höher, es gibt dadurch andere Farbwirkungen. Und die berühmten Beams sind wirklich optisch ganz toll – auch hat jeder Führer ein Schauferl, mit dem er/sie Sand in den Lichtstrahl wirft, was erst die entsprechende Wirkung hervorruft. Trotz normaler Touristenführung sind durchaus schöne Fotos möglich, bei dem Betrieb natürlich keine Sensationstreffer – dafür hätte man nicht zu einer anderen Jahreszeit, sondern eher vor 20 Jahren hier sein müssen. Insgesamt stellen wir aber fest, dass sich der Ausflug auf alle Fälle gelohnt hat! Manche Sehenswürdigkeiten sind ihr Geld wert.
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Von der nun wieder vorhandenen Hitze und dem langen Vormittag erholen wir uns in einem einfachen italienischen Lokal, es ist ein guter Griff, das Mittagsangebot ist gut, günstig und reichlich mit viel Salat.
Da es nun schon wieder später Nachmittag ist, fahren wir los, wir wollen ja noch zum Zion NP, die Strecke dauert etwa zwei Stunden. Schön ist, dass wir dabei gleich den Scenic Drive dort im guten Licht erleben, die Landschaft mit hohen bunten Felswänden ist sehr beeindruckend. Weniger begeistert sind wir dann allerdings beim Visitor-Center, das wir zuerst nicht finden, weil der Parkplatz so groß ist! Das Problem hier ist, dass es nur wenig Wandermöglichkeiten gibt, die bei der Hitze sinnvoll zu schaffen sind, es aber tausende Besucher gibt. Auch Springdale wirkt ziemlich überfüllt. Von unserem Motel sind wir eher enttäuscht. Die Klimaanlage ist entsetzlich laut, die Rezeption eher unfreundlich, das Internet funktioniert auch nicht (am nächsten Tag aber schon) und Frühstück gibt es auch keines, obwohl das auf der Homepage anders formuliert war (missverständlich). Dafür, dass es unser teuerstes Quartier bisher ist, sind wir eher angefressen. Die Laune hebt sich ein bisschen im schönen Swimmingpool, auch liegt unser Zimmer angenehm mit einem schattigen Balkon, auf dem wir gut zu Abend jausnen können.

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Dienstag, 18.6.: Heute ist ein Pausentag eingeplant, wir schlafen gut und lange. Dann gehen wir zur Abwechslung einmal Frühstück essen, die Portion geht auch gleich als Lunch durch. Anschließend verbringen wir wieder ein paar Stunden am Computer, diesmal hauptsächlich damit, unsere Reiseplanung zu überarbeiten. Wir wollen nicht mehr allzu lange im heißen Utah bleiben und mehr Zeit in den Bergen verbringen. So verlegen wir unseren Yellowstone-Aufenthalt um zwei Tage nach vorne, was zum Glück mit den Campingplatzbuchungen funktioniert, und buchen für den Schluss der Reise noch zwei Nächte in den Rocky Mountains.
Danach machen wir noch eine Runde zum Visitor Center, wir überlegen, ob wir nicht doch zum Subway wandern sollen, einem optisch tollen Canyon, für den man aber ein Permit braucht. Nach einigem Warten vor dem Backcountry-Schalter sagt man uns, dass inzwischen alle 80 (!) Permits pro Tag über eine Lotterie vergeben werden, für übermorgen ist ausgebucht, man kann entweder Monate im Voraus mitspielen oder zwei Tage vorher um die letzten 20, die aber auch verlost werden. Wir halten dieses System nicht nur für ärgerlich, sondern auch für eine Abzocke. Angeblich wollen jeden Tag Hunderte dorthin wandern, obwohl es eine mühsame Tour ist – wir verzichten also darauf! Lotterie heißt eben, dass alle zahlen, die mitspielen, egal ob man dann ein Permit bekommt oder nicht.
Danach schauen wir uns die tolle Fotogalerie von Michael Fatali an und kaufen ein, sodass wir ein gutes Abendessen auf dem Balkon genießen können. Morgen werden wir vormittags den Park noch ein bisschen genauer – wenn auch im touristischen Stil – ansehen, dann haben wir ein billiges Motel in Hurricane gebucht, um von dort aus noch einen Ausflug zu machen.

Fundstücke:
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Ob sich die Bergretter des Zion NP über diesen Spruch freuen?
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Die Gitarre für den Hardrock Cowboy: Corpus aus Sandstein, mit Hufeisen verstärkt, Saiten aus Stacheldraht.