Donnerstag, 31. März 2022

Melrakki - Unser neuer Campingbus

Dass wir gerade im Juli 2021 einen neuen Campingbus kaufen, war so nicht geplant. Siehe auch den vorherigen Post über unseren treuen Mercedes Oldtimer. Die ersten Recherchen waren wenig ermutigend, scheinbar halb Europa wollte in Corona Zeiten ein wenig mehr Freiheit haben und so waren die Bestellbücher bei den Firmen voll und die Lager ziemlich leer. Bei Funmobil in Graz hätten wir einen Camper mit 5,4m Länge auf Fiat Basis von Roadcar bekommen können, im Innenausbau klassisch und schön kompakt. Wir sind ja durch unseren alten Bus mit nur 5,25m Länge beim Parken selten vor unlösbaren Problemen gestanden. Aber trotz der +15 cm wäre der Innenraum eher weniger gewesen. Eine weitere Firma, die wir schon wegen des guten Preises in der engeren Wahl hatten, war die Firma Clever, vertreten durch Cara Mobil in Leopoldsdorf bei Wien. Da war prompt eigentlich nichts lieferbar, aber ein 6m Camper auf Citroen Basis war zumindest zum Besichtigen vor Ort. Eine etwas besser ausgestattete Edition, mit größeren 16" Felgen und 225er Reifen (=Bodenfreiheit+) und, für uns als Nordlandfahrer wichtig, mit einer Dieselheizung. Auch die Raumgestaltung hat uns etwas besser gefallen als beim Roadcar. Der besichtigte Wagen war eigentlich schon reserviert, aber der Verkäufer meinte, es kann sein, dass sich da noch etwas ändert. Und tatsächlich, zehn Tage später erfuhren wir, dass wir den Wagen kaufen könnten, denn derjenige, der ihn bestellt hat, wollte lieber den gleichen Wagen auf Fiat Basis mit Automatik. Uns war es jedoch sogar lieber, dass der eigentlich baugleiche Citroen Jumper (die Lieferwagen von Fiat, Citroen und Peugeot kommen aus dem gleichen Werk!) ein normales Sechsganggetriebe hat. So haben wir uns schnell entschlossen und den Camper gekauft. Natürlich kamen dann noch ein paar Extras, wie eine Photovoltaikanlage, dazu, zwei Bordbatterien waren aber schon eingebaut, was vor allem wegen der doch recht stromhungrigen Dieselheizung wichtig ist. Auch muss man einen Unterbodenschutz extra machen lassen, die Lieferwagen haben das nicht mehr, weil sie  anscheindend im Firmenbetrieb in drei Jahren hinüber sind. Bei den nächsten Autos ist man dann froh, wenn das Lenkrad noch serienmäßig ist. Also war noch ein wenig Geduld angesagt, Auslieferungstermin Ende August. Am 2.September gibt es dann wenig Erfreuliches zu hören, der Wagen ist zwar fertig, darf aber nicht angemeldet werden, denn seit 1.September gilt ein Gesetz, das auch auf der Rückbank Drucksensoren vorschreibt, das sind die Dinger, die nervig piepsen, wenn sich wer nicht angurtet. Dass nur die österreichische Behörde das Gesetz auf Bestandsfahrzeuge, eben auf Fahrzeuge, die vor dem Gesetz produziert wurden, anwendet, ist extrem ärgerlich und für die Firma Cara Mobil mit einigen Mehrkosten verbunden. Und es dauert  sieben(!) Wochen, bis die Ausnahmegenehmigung ausgestellt wird. Im Endeffekt schaffe ich es gerade noch vor den Herbstferien den Wagen anzumelden. Gut war aber das Entgegenkommen der Firma Cara Mobil, denn sie hat mir blaue Tafeln gegeben, wodurch ich den Wagen schon Anfang September nach Hause auf den Abstellplatz bringen konnte und auch noch zwei Probefahrten möglich waren. Über die Adaptierungen möchte ich nun im Anschluss ein paar Worte verlieren. 

Um den neuen Camper auf dem knappen Abstellplatz unterzubringen, musste ich zuerst einmal die Stützen anders anordnen, inklusive einer hochklappbaren Stütze!



Dann ging es an den Innenausbau, Ok, das klingt jetzt ein wenig übertrieben, ist es aber nicht. Natürlich habe ich keine Wände herausgerissen, aber vor allem im Stauraum unter dem Bett einiges geändert. Zuerst wurde eine Siebdruckplatte eingepasst. Der Stauraum hat vier massive Zurrösen, die mit dem Chassis verschraubt sind, aber eben auch überstehen. Und weiters wollte ich nicht für jeden Haltepunkt die originale Bodenplatte anbohren. Da ich Radträger am Heck nicht mag, habe ich mir einige Halterungen gebaut, die mir ermöglichen, Fahrräder bei aufgeklapptem Lattenrost zu transportieren. Das mit dem Aufklappen ist wirklich ein geniales Feature, aber natürlich, wenn die Räder drin sind, ist es nix mit Mittagsschlaf und Abendruhe. Also eine Lösung für eine Fahrt von A nach B. Dann gibt es einen verkleideten Kabelkanal, der ein Abstellen von Kisten in diesem Bereich erschwert, den habe ich auch mit Sperrholz und einer Antirutschmatte überbaut. Leider ist auch die Trennwand keine sehr gute Konstruktion, theoretisch herausnehmbar, aber nur wenn man diese hochhebt und in den Stauraum hineindreht, weil die Halterungen unter dem Lattenrost angebracht sind. Da habe ich mir eine Trennwand gebaut, gleich mit integrierter Stufe, denn das Bett ist ja fast 80 cm über dem Boden.

Die Siebdruckplatte mit den Aussparungen für die Zurrösen, hinten der noch nicht überbaute Kabelkanal.
Links ist der Gaskasten, der Dank der Dieselheizung nicht mit 2x10 kg Flaschen bestückt werden muss. Eine 5kg Flasche reicht fürs Kochen völlig. Daher habe ich mir hier einige Halterungen eingebaut und sowohl zwei 80 cm lange Wegfahrhilfen von Lescars ("Sandbleche für Arme"), die Keile und die Kabeltrommel befestigt.


Im Stauraum unter der Rückbank ist viel Platz, der Sitzpolster ist leicht abnehmbar, ja der, wo die Behörde meint, dass Sensoren hineingehören. Es gibt aber auch eine Tür an der Front. Mein Tresor aus dem Mercedesbus passt da gut hinein, der hat für Kameraausrüstung und Notebook ideale Maße. Dahinter ist noch immer viel Platz für Werkzeug und Abschleppseil.



Der Stauraum der Sitzbank vor dem Umbau

Und danach, vorne der Tresor, hinten Kiste mit Werkzeug

Die Kiste verhindert, dass Werkzeug herumfliegt und die empfindlichen Heizungsschläuche beschädigt

Die Tür unter der Bank, Tresor und eine Löschdecke griffbereit zu haben, ist immer gut

Die Trennwand samt Trittstufe lässt sich hochheben, ohne das Bett aufzuklappen.


Und auch ein Teppich ist eine feine Sache und für bloße Füße angenehm. Aber man sollte da sehr genau arbeiten. Wegen der vielen Winkel ist es sehr ratsam, sich aus festem Papier ein Schnittmuster anzufertigen.


Gut, dass wir noch keine Sensoren in der Rückbank haben, sonst könnten wir unsere Abfall-Notfall-Reinigungstasche so nicht während der Fahrt sichern.


Zwei verschließbare Müllkübel, ein Besen und ein Feuerlöscher (kein Pulver!)

Eine in die kleine Abwasch gut passende Plastikschüssel zu finden, war gar nicht so einfach. Manchmal geht es halt nicht ohne Amazon.


Haken gab es serienmäßig genau einen. Der Rest wurde zugekauft, man kann nie genug Haken haben!

Im Bad sind starke Saugnapfhaken eine gute Idee

klassische Hakenleiste aus Holz, verklebt mit Camelize Nano Klebeband

Haken ohne Kleben, einfach einhängen.

einfache Edelstahlhaken, die man fast überall aufkleben kann

Dieser Klapphaken war ganz einsam schon vormontiert.

Das Ablagefach wird bei uns für Schuhe verwendet und auch für mein Stativ. Da ist ein selbst gebasteltes Haltenetz schon sinnvoll, es soll ja nichts während der Fahrt durch die Gegend fliegen. Das schwarze Material ist eine Anti-Rutschmatte aus dem Autozubehör.


Die Lagerung von Trinkwasser ist auch eine wichtige Sache. Wir haben keine Lust dauernd Wasser aus dem Supermarkt zu schleppen, wenn es sich vermeiden lässt. Drei mal fünf Liter in lebensmittelechten Kanistern, da hat man schon eine gute Reserve. Die gehen sich gut am Boden des Kleiderkastens aus.


Eine wichtige und gewichtige Sache fehlt noch: Fahrräder!


Der neue Bus ist schon 75 cm länger und 20 cm breiter als der alte, dann noch zusätzlich einen Radträger am Heck - nein danke, das hatten wir einige Jahre auch bei unserem Mercedes und es hat uns ziemlich genervt, weil das Handling der hinteren Türen schwieriger wird, weil der Wagen länger wird, wegen Dreck auf den Fahrrädern nach langer Fahrstrecke und auch wegen der Diebstahlgefahr. Da ein 5 Gang Klappfahrrad von Dahon bei Gabis Mutter ungenutzt im Keller stand, habe ich dieses einmal wieder straßentauglich gemacht. Aber so kompakt das Rad im zusammengelegten Zustand ist, also gut geeignet, um es unter dem Bett zu verstauen, so unbefriedigend ist das Fahrverhalten. Nicht schlecht, um mal schnell zum Supermarkt zu fahren, aber 20" Reifen sind eben nicht vergleichbar mit einem normalen 26" oder 28" Fahrrad. Klappfahrräder mit 26" gibt es, allerdings sind die im zusammengelegten Zustand für unseren Stauraum zu groß. Mit einer Ausnahme, das Paratrooper hat den Klappmechanismus nicht in der Mitte, sondern im Sattelrohr und dadurch kann man es kompakter zusammenlegen als andere Modelle mit der Einschränkung, dass man das Vorderrad herausnehmen muss. Das erste gelieferte Fahrrad sollte eigentlich die 50cm Variante für mich (178 cm groß) sein und nach dem Zusammenbau und einem ersten Test freute ich mich, dass es unter das Bett passt. Zwar etwas gekippt und der Lenker unter dem Lattenrost. Also ein zweites Fahrrad bestellt, diesmal die 45cm Variante für Gabi. Wie wir beide Fahrräder nebeneinander stehen haben, sind wir etwas überrascht, die schauen nicht nur gleich aus, die sind auch gleich groß! Die erste Lieferung war falsch. Die 45/50 cm beziehen sich auf die Höhe vom Tretlager bis zum Sattelrohr, da kann man locker die cm ausgleichen, indem man den Sattel mehr herauszieht. In der Länge vom Sattel bis zum Lenker unterscheiden sich die Rahmen um ca. 4 cm. Bevor ich jetzt ein Fahrrad wieder zerlege, zurückschicke und mir neu liefern lasse, habe ich lieber den Sattel um einen cm nach hinten versetzt und einen Lenkervorbau um 25.-€ mit +2cm gekauft. Die Firma war auch schnell einverstanden, mir für meine Kreativität 50.-€ zurückzuzahlen. Die originalen Packtaschen habe ich wegen des hohen Preises nicht bestellt, sondern diese bei Amazon:
Baigio Fahrrad Transporttasche 
Die ist etwas größer als nötig, vom Material her macht sie einen robusten Eindruck.
Für längere Radtouren verwenden wir keine Rucksäcke, sondern Fahrradtaschen, daher wurde auch ein Gepäckträger gekauft. Die Seitenstützen mit Schnellspanner habe ich dann durch eine einfachere und leichtere Eigenkonstruktion ersetzt.

Der aufklappbare Lattenrost, zwei Fahrräder, Tisch und 2 Sessel, zwei große Klappboxen

Klar ist es etwas mehr Arbeit, das Herausnehmen des Vorderrades, das Zusammenklappen, Sattel und eventuell auch den Gepäckträger entfernen, das Rad in die Tasche stecken, unter das Bett schieben und alles gut festzurren. 
Und es war auch eine zusätzliche Investition, das Paratrooper Express ist die billigere Version dieses aus den USA stammenden Klapp MTB. Und die durchdachte Konstruktion lässt sich die Firma bezahlen, gut 700.-€ kostet es. Während der Rahmen sein Geld wert ist, sind es die Komponenten eigentlich nicht. Eher Billigschiene, nur einfache 18 Gang Shimano Schaltung, V-Brakes und eine nicht verstellbare Federgabel. Allerdings kosten gute 20" Klappfahrräder von Dahon und Tern ähnlich viel, die Preise der Edelmarke Brompton sind dann in noch ganz anderen Höhen!

Am 22.3. habe ich mir die Kennzeichen von der Zulassungsstelle geholt, denn im Winter wollte ich den neuen Bus nicht verwenden. Trotz Bonusstufe kostet der Bus gut 2100.-€ im Jahr, wobei die motorbezogene Versicherungssteuer den weitaus größeren Brocken ausmacht. Ältere Modelle mit schlechteren CO2 Werten zahlen deutlich weniger, weil bei diesen Fahrzeugen der reale CO2 Wert nicht gemessen wurde und die angegebenen Werte stark geschönt sind. Daher ist ein alter "Stinker" deutlich billiger als ein neuer Diesel mit Ad Blue. War auch bei meinem 31 Jahre alten Mercedes so, da waren es jährlich so um die 600.-€, was aber auch daran lag, dass der Bus 70 PS hatte gegenüber 140 PS beim neuen. Die Winterpause hat mir immerhin 680.-€ erspart und das Hinterlegen der Kennzeichen ist gratis! Natürlich braucht man für die Winterruhe einen Stellplatz abseits der öffentlichen Straßen.


Für einen erste Ausfahrt bin ich alleine für 4 Tage nach Bad Waltersdorf gefahren, habe dort drei Radtouren mit insgesamt 140 km gemacht und im Thermalbad relaxt. Alles funktionierte einwandfrei, aber der geringe Ertrag der Photovoltaikanlage hat mich doch sehr überrascht. Mittags bei strahlendem Sonnenschein gerade einmal 4A (=50W), also nur 25% der Peak Leistung sind doch verdammt wenig. Die Panele habe ich vor der Abreise ordentlich gereinigt, der Wagen stand frei ohne Beschattung. Je ein Panel abgedeckt ergaben 2A, also defekt ist da wohl nichts. Natürlich sind die Panele flach am Dach montiert, also nicht optimal zur Sonne ausgerichtet. Den Solarrechner bei Campofant fand ich sehr gut erklärt und hilfreich um abzuschätzen, für wie lange man autark stehen kann.

Es kann natürlich auch sein, dass bei fast voller Batterie die Ladeleistung heruntergeregelt wird, da müssen wir wohl noch Erfahrungswerte sammeln.

Sonntag, 3. Oktober 2021

Abschied - von unserem treuen Mercedes Bus

Gleich vorneweg, der Bus steht ab sofort zum Verkauf.

Anfang Juli waren wir doch überrascht, als unser Mechaniker, der mit unserem Mercedes 307 D Campingbus vertraut ist, meinte, da geht kein Pickerl mehr ohne gröbere Reparaturen.

Kompakte Maße, nur 525 cm lang und 180 cm breit, Höhe 250 cm

Gut, bei einem Baujahr 1986 darf man sich nicht wundern, wenn das Basisfahrzeug immer wieder einmal etwas Pflege braucht. Die Rostschäden auf den Seitenschwellern und ein kleines Loch beim Radkasten hätten uns jetzt auch nicht verunsichert, das ließe sich recht kostengünstig beheben. Dass der Motor ölig ist, war auch klar, schließlich habe ich im Herbst 2020 bei Pappas eine Motordichtung tauschen lassen, genau aus dem Grund. Aber jetzt fängt es halt auch an anderen Stellen an, noch rinnt nichts, aber es ist abzusehen, dass der Motor über kurz oder lang mehr als ein kosmetisches Service brauchen wird. Dabei hat er nur läppische 290 000 km auf dem Tacho, für einen einfachen Dieselmotor eigentlich noch lang kein Grund zum Aufgeben. 

Der Wagen wurde vor acht Jahren in einer Werkstatt komplett zerlegt, Sandgestrahlt und neu lackiert. Dabei wurde auch die Schiebetür mit neuem Blech versehen. Deswegen hat er außer bei den Seitenschwellern keine nennenswerten Rostschäden.

Angedacht war ein Neukauf oder ein wenig Gebrauchter ja schon seit einiger Zeit. Gabis Freijahr 2020/21 wollten wir aber noch ausgiebig für Reisen mit unserem "Alten" nutzen. Die Pandemie hat uns da zu Planänderungen gezwungen, obwohl wir im Sommer 2020 zehn Wochen in Island waren, gingen dann andere Pläne, wie Portugal und Marokko im Frühjahr 2021 nicht. Schade, denn für raue Straßen wäre unser robuster Bus gerade richtig gewesen.

Aber, wie ein lieber Freund sinngemäß meinte: "Wenn du noch lange mit einem Neukauf wartest, rennt der Bus länger als du!" Ok, ich werde im Dezember 60, ein Bus sollte so 20 Jahre halten und ob ich mit 80 noch Vollgas gebe, ist ja wirklich die Frage.

Gekauft haben wir den Bus vor 15 Jahren auf der Tullner Messe mit 120 000 km. Er war halb fertig von privat ausgebaut, aber wir mussten noch vieles ergänzen, vor allem bei der Elektrik. Da war es schon hilfreich, dass ich schon einen Campingbus selbst ausgebaut hatte, einen Mitsubishi L300, schön kompakt, aber eben keine Stehhöhe, was uns dann doch zu unbequem wurde. Der Mercedes ist eigentlich ein Raumwunder, obwohl er nur 525 cm lang und ca. 180 cm breit ist, hat er von der nutzbaren Innenraumlänge etwas mehr Platz als ein moderner Fiat Ducato mit 540 cm. Erst die 6m-Busse sind da wieder geräumiger. Und auch die Höhe von 250 cm ist moderat, trotzdem gibt es innen eine ausreichende Stehhöhe. Da wir nicht übergroß sind, ist das Querbett mit 178cm x 140cm ausreichend und Dank Lattenrost bequem. Der Bus ist allerdings mit fixen Sesseln und Tisch nur für zwei Personen geeignet, der Fahrerraum ist abgetrennt, vor allem aus thermischen Gründen. Durch die gute Isolierung kann die kleine Truma Gasheizung auch bei Minustemperaturen den Wagen gut erwärmen.

Dusche und WC sind auch an Bord und hinter einer cleveren Schrankkonstruktion verborgen. Funktional, aber Basic. Für uns, die auf Reisen auch noch manchmal im Zelt schlafen, ist das kein Problem, für die, die ein fahrendes Hotel suchen, sicher der falsche Ansatz.

Keine Elektronik, die Rückfahrkamera ist nachträglich eingebaut, einen Blaupunkt Radio gibt es auch

Links der Gasherd und die Abwasch mit perfekt passender grauer Plastikschüssel

Tür zu und der Schuhraum wird sichtbar, gut isolieren tut sie auch.

Der Herd hat eine aufklappbare Holz/Alu-Abdeckplatte, darunter der Kühlschrank. Rechts eine graue Aluminiumplatte, da sind die drei Gasabsperrhähne und darunter der von innen zugängliche Gasraum mit zweimal 10 kg Gasflaschen. Man muss also nicht hinaus, um die Gasflasche abzudrehen!

zwei gegenüberliegende feste Sitzplätze mit viel Stauraum

In einem Sitz war ein Tresor für meine Fotoausrüstung, der ist aber in den neuen Bus hinübergewandert. In den zweiten Sitz passen drei 5l Frischwasserkanister für das Tee/Trinkwasser hinein plus ein paar Weinflaschen. Gut isoliert ist der Aufbewahrungsbereich auch. Die Tür in der Mitte unter dem Bett ist groß genug um die Standard Boxen, wovon drei nebeneinander Platz haben, herauszunehmen. Eine zweite Dreierreihe ist über die Hecktüren erreichbar.
Haken und Wäscheleinen sind auch vorhanden, weil nach einer Bergtour oder einem Schwimmbadaufenthalt ist es gut, wenn die Sachen trocknen können. 

gutes Bett mit weicher Matratze und Lattenrost, vier Fenster=viel Frischluft

Ein Kasten, dahinter aber....
befindet sich die Dusche und das  Porta Potti

Brauchwassertank ist seitlich in der Dusche, herausnehmbar mit 25 Litern. Praktisch ist dies, weil das Wasser in die Duschwanne rinnt, wenn man beim Befüllen nicht aufpasst, und man nicht den Wagen unter Wasser setzt. Der Abwassertank befindet sich unter der Dusche und ist recht groß, so 90 Liter werden da schon reingehen. Das Waschbecken rechts ist nicht zum Händewaschen geeignet, denn es wird als Einfülltrichter für das Warmwasser verwendet. Man muss das Wasser auf dem Herd aufwärmen, in das Waschbecken leeren, dann rinnt es in den darunterliegenden 5 l Tank. Dort drinnen ist eine Pumpe, die den ausziehbaren Duschhahn speist. Duschvorhang einhängen und man kann sich duschen. Da ist der österreichische Begriff "Tröpferlbad" durchaus passend.

Unter dem Bett gibt es nocheinmal viel Stauraum

Der Wagen ist für längere Reisen ausgelegt, 2x 10 kg Gas-Kunststoff-Leichtflaschen, da muss man schon viel kochen, kühlen und heizen, um die leer zu kriegen. Eine 95 Ah Gelbatterie, ziemlich neu samt Ladebooster, dazu noch ein Solarpanel samt Laderegler, leider nur 50 Watt peak, die Dinger waren vor 13 Jahren noch verdammt teuer. Ein Kühlschrank, der mit 220 Volt, 12 Volt und Gas funktioniert. Viel Stauraum unter dem Bett, aber auch Kästen, Schubladen und viele Fächer.



Sonntag, 16. Mai 2021

Costa Rica -letzter Tag - Rückflug

Nachdem wir gut bei nachlassendem Regen im Hotel Vista Linda Montana angekommen sind, geht es einerseits ans Aus- und Umpacken, aber viel wichtiger zu einer nahe gelegenen Teststelle, denn wir brauchen für den Flug einen negativen Antigentest. Ein modernes Labor in einem Einkaufszentrum, welches nicht allzuweit von unserem Quartier entfernt ist, hat Gabi schon vorher ausgesucht. Dort angekommen, sind zum Glück nicht viele Kunden vor uns, die Dame am Schalter braucht trotzdem gefühlt eine Ewigkeit, bis sie alle Daten aufgenommen hat. Der Test ist wie immer schnell erledigt. Dann gehen wir gleich im großen Supermarkt einkaufen, denn als einziges Zugeständnis an die prekäre Lage in den öffentlichen Krankenhäusern hat die Regierung für den Zentralraum um San Jose einen einwöchigen Lockdown für die Gastronomie verhängt. Also ist Selbstversorgung angesagt. Da das Hotel einen schönen Garten hat und eine voll ausgestattete überdachte Terrasse samt Kühlschrank und Küche, ist es recht angenehm hier bei einer Flasche Wein zu speisen. Wein haben wir uns ja fast nie geleistet, denn der ist in Costa Rica recht teuer. Das Imperial Bier oder Bavaria Gold dagegen ist recht gut und günstig.

Überraschend schnell, nämlich nach 40 min haben wir den negativen Test auf dem Handy, ganz wichtig in Spanisch und in Englisch.

 


Der unscheinbare grüne Hügel im Hintergrund ist der 2700m hohe Vulkan Poas!
Am letzten Tag frühstücken wir einmal gemütlich, fahren dann aber die 12 km bis zur Doka Kaffeeplantage, um meinem Freund Günter eine Freude zu machen, der diesen Kaffee besonders schätzt. Wir sind schon verwundert, als wir vor verschlossenem Tor stehen, aber da Gabi vor zwei Tagen per email angefragt hat wegen des Kaffeeverkaufs, darf sie dann doch alleine ins Gelände und kommt nach einiger Zeit mit einer großen Schachtel und ca. 7kg Kaffee zurück.

  
Den Rest des Tages dürfen wir freundlicherweise auf der Terrasse des Hotels und am Pool verbringen, bis wir so um 15:20 aufbrechen müssen. Unterwegs wird der Jimny noch vollgetankt und dann geht es überraschend staufrei zum Flughafen. Das Quartier liegt verkehrstechnisch sehr günstig, ca. 20 Fahrminuten vom Flughafen entfernt. Dort treffen wir uns mit unserem Autovermieter Thorsten, der keine neuen Beulen am Auto findet und so zufrieden seinen Wagen zurücknimmt. 

  
Wir sind, da alles so glatt gegangen ist, jetzt drei Stunden vor Abflug schon am Flughafen. Aber beim Check-in sind schon viele Leute. Unser Test wird anerkannt und das Gepäck haben wir per Kofferwage gut eingeteilt, je 22 kg wiegen unser Exped Taschen. Wie schnell man Probleme bekommen kann, sehen wir am Nachbarschalter, wo eine siebenköpfige Gruppe einchecken will, was ihnen aber verwehrt wird, weil der negative Antigentest nur auf Spanisch ist! Am Flughafen gibt es keine Teststation, die wurde erst zwei Wochen später installiert. Es war schon ein Fehler der Reisenden, denn in allen Infos der Lufthansa war klar zu lesen, dass der Test in Englisch, Deutsch oder Französisch vorliegen muss. Trotzdem eine typische Farce der Behörden, denn ob da "Negativ" oder "Negativo" steht, wird ja wohl für das Verständnis egal sein. Die Fluggesellschaften würden von sich aus die Regeln nicht so genau nehmen und auch keine Regeln aufstellen, aber wenn ein Passagier in Deutschland wegen einem Regelverstoß zurückgewiesen wird, muss die Fluggesellschaft ihn auf eigene Kosten zurückbefördern. Wir sind jedenfalls heilfroh, die erste Hürde geschafft zu haben, auch der Sicherheitscheck geht ohne Probleme, sodass wir dann in einem Flughafencafe langsam unseren teuren Capuccino schlürfen und ich ein wenig am Computer arbeite, um die Zeit herumzukriegen.

  
Der Flug geht mit einer halben Stunde Verspätung ab, weil man zwei Passagieren die Mitreise verwehren muss, ob wegen Maskenverweigerung oder Alkohlismus wissen wir nicht, auf jeden Fall muss erst das Gepäck dieser .... aus dem Flieger geholt werden. Da aber zurück nach Frankfurt quasi Rückenwind herrscht, sollten wir trotzdem pünktlich ankommen. Der Flug ist phasenweise ein wenig rau und es wird nur einmal Essen und Trinken serviert, ansonsten herrscht natürlich permanente Maskenpflicht. Genauso wie beim Hinflug ist das Flugzeug fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

In Frankfurt gut angekommen, müssen wir noch durch alle Sicherheitsschleusen, Gabis Kamera bekommt noch eine "Sonderbehandlung", da der Detektor für Sprengstoff anschlägt. Ist aber keine große Sache, es kommen zwei freundliche Polizisten die kurz checken, ob die Kamera funktioniert, damit ist die Sache erledigt.

Der einstündige Flug nach Wien ist ohne Probleme, irritierend fanden wir nur, dass alle Passagiere in Wien in einen Bus gepfercht wurden, in Frankfurt waren es wenigstens zwei.

Für uns war die Reise nach Costa Rica ein großer Lichtblick. Gabi hat ja 12 Jahre auf ihr Freijahr 2020/21 gespart, da ist es schon ein großes Pech, wenn einem eine Pandemie fast alle Reisepläen zunichte macht. Für mich als Berufsfotograf war das Frei- und Reisejahr ja auch als Chance gedacht, mehr Bilder an meine Partneragentur Imagebroker liefern zu können. Für mich sind Reisen nie nur Urlaub oder Erholung, sondern wir reisen, um etwas Neues zu sehen, gute Fotos zu machen und hoffentlich erweitern wir auch unseren Horizont und wenn möglich auch unsere Toleranz.

Für Naturliebhaber ist Costa Rica wirklich ein tolles Reiseziel, allerdings wäre in einer normalen Saison viel mehr Vorbuchen notwendig, selbst bei Nationalparks gibt es Eintrittsbeschränkungen und viele Quartiere sind in der Hauptsaison Monate im voraus zu reservieren. So war das Reisen für uns überraschend unbeschwert, denn wir konnten uns auch ein wenig treiben lassen, bekamen in den Hotels und Lodges günstige Preise oder upgrades und in den Nationalparks bekamen wir oft Privatführungen. Das tropische Wetter war für uns eine Herausforderung, schwül-heiß und Moskitos ist nicht unsere Lieblingsmischung. Auch war heuer der April viel zu feucht, die Regenzeit begann früher, wohl weil es ein El Nino Jahr war, wie ein Guide meinte. Ansonsten wäre der April (nach den Osterfeiertagen!) eine gute Reisezeit, weil nicht mehr Hauptsaison, aber eben noch recht trockenes Wetter. Der Regen war natürlich nicht nur ein Nachteil, dadurch war die Landschaft in allen Regionen herrlich grün. Die Menschen fanden wir freundlich und entspannt, Pura Vida ist da schon der passende Leitspruch in diesem Land. Die Straßen waren mit ein bis zwei Ausnahmen besser als ihr Ruf, den Geländewagen haben wir nur selten gebraucht, waren aber trotzdem froh ihn in Reserve zu haben, meist für die letzten Meter zur Lodge oder auf Nebenstraßen. Die Sicherheit im Land ist uns sehr hoch erschienen, wir haben uns nirgendwo unwohl gefühlt. Natürlich soll man nichts im Auto lassen, wir haben unser Gepäck immer zuerst im Quartier abgegeben, wenn das möglich war. Auf bewachten Parkplätzen bei den Nationalparks kann man aber schon seinen Koffer im Auto lassen. Dass man immer seine Wertsachen herausnimmt, ist natürlich selbstverständlich, aber das machen wir in Österreich genauso, wie auf einer Reise in Südamerika, Australien oder Afrika, das ist einfach common sense.

Über Hotels und Lodges braucht man nicht viele Worte verlieren, da gibt es ein breit gefächertes Angebot und die Bewertungen bei booking.com haben eigentlich immer gut gestimmt. Essen und Trinken sind sehr gut, von billig in den vielen Sodas (die haben keine Alkohollizenz) über Restaurants jeder Preisklasse. Das Costaricanische Frühstück ist üppig mit Bohnenreis, Kochbanane, Eierspeise, frischen Früchten und meist noch Fruchtsaft und Kaffee. Das hat bei uns für einen vollen Magen bis über den Lunch gesorgt, aber manchmal auch für eine beschleunigte Verdauung. Man hat aber meist auch Alternativen wie Pancakes oder Toast mit Marmelade. Das Imperial Bier ist normalpreisig, Wein dafür teuer. Leitungswasser ist in vielen Regionen gut trinkbar, manchmal aber chloriert.

Costa Rica ist kein billiges Reiseland aber für Naturliebhaber jeden Colones wert!

Costa Rica - Monteverde mit Curi-Cancha Reserve

Wir haben uns heute Vormittag eine geführte Tour durch das Curi-Cancha Reserve bestellt. Für uns ist es gut, dass es wieder eine Privatführung wird. Normalerweise ist Monteverde in der Saison ziemlich ausgebucht, hierher kommt fast jeder Tourist, weil dieses Gebiet neben dem Naturerlebnis eben auch viele Action- und Funangebote hat. Natürlich gibt es auch Kaffee- und Schokoladentouren zur Abrundung und auch jede Menge Lokale.

Die Guides wären natürlich lieber mit 8-10 Personen unterwegs, aber viele sind derzeit froh, überhaupt eine Führung pro Tag zu haben. Das erklärt auch die relativ laschen Einreiseregeln für Costa Rica, denn das Land kann sich einen kompletten Lockdown einfach nicht leisten, hat aber auch den Vorteil, dass das tropische Klima und das sehr gut ausgebaute Gesundheitssystems mehr Tourismus als bei uns zulässt. Zumindest war das bis Ostern so, da haben die Ticos leider die Vernunft zu Hause gelassen, sind an den Strand gefahren und haben in großen Gruppen gefeiert. Als Konsequenz sind die Zahlen der Intensivpatienten seitdem kontinuirlich nach oben gegangen und jetzt sind die öffentlichen Spitäler auch in Costa Rica am Anschlag. Ein wenig Kapazität gbt es noch in den Privatspitälern, was für uns als Touristen gut und wichtig ist. Aber wir sind doch froh, dass es für uns in drei Tagen wieder nach Hause geht.

Die Tour ist ganz nett, aber wir sehen im Vergleich zu anderen Parks nur wenig Tiere. Ein Highlight sind die Orchideen. Der einsetzende Regen war natürlich fürs Fotografieren auch nicht so hilfreich. Da nach dem Ende der geführten Tour die Sonne herauskommt, beschließen wir unseren Hunger zu zähmen und noch eine Runde durch den Park zu machen. Bald wird die Sonne von Nebel abgelöst, was ja auch passt, denn in den Höhenlagen über 1000m wird der Urwald auch gerne als Nebelwald bezeichnet.














Am nächsten Tag genießen wir einmal ein gemütliches Frühstück auf der überdachten Terrasse, das wir aber unterbrechen müssen, denn ein Schmetterling sitzt auf einem grünen Strauch. Aber so schön, aber doch wieder etwas unscheinbar er mit gefalteten Flügeln aussieht, der blaue Morphofalter ist ein fliegendes Juwel, nur im Flug praktisch nicht zu erwischen. Auch auf den Früchten sitzend gelingt mir gerade ein Foto, das seine herrlich schillernden Flügel zeigt.


Dann haben wir noch Zeit für einen Abstecher zum Orchideengarten. Gut 300 Orchideen wachsen hier, meist sind mehr als hundert in Blüte zu bewundern. Viele Orchideen sind endemisch in Monteverde oder in Costa Rica. Dass man eine Lupe zur Führung dazubekommt, liegt daran, dass hier auch die kleinsten Orchideen der Welt vorkommen, die Blüte ist dann gerade einmal einen mm groß.











Nun ist unsere Zeit in Costa Rica fast zu Ende, Morgen am Abend geht der Lufthansaflug nach Frankfurt und dann weiter nach Wien. Also geht es durch Sonne und Regen erst einmal hinunter auf die Hauptstraße Richtung San Jose. Auf der Zufahrt zu unserem Quartier in Alajuela geht ein heftiges Gewitter nieder, da können wir den Geländewagen schon fast auf der asphaltierten Straße brauchen beim Bergauf-gegen-die-Strömung-Fahren!